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1400-1700:

1486

zurück Rudolf von Langen: »Carmina«


Der Münsterer Propst und Domkapitular Rudolf von Langen (* um 1438 Everswinkel - 25.12.1519), verfasste den ersten humanistischen Gedichtband, der in Deutschland gedruckt wurde. Der westfälische Humanist Alexander Hegius (1833-1498) dichtete: »Heutzutage ist nichts mehr unmöglich / bringt doch Westfalen trotz seiner Unkultur / klassische Dichter hervor! / Langen ist seine Zier, eine Sprosse edler Ahnen, / ist er des Münsterlandes Ruhm und beglückender Stolz, / hat nach Westfalen er doch als erster die Muse geleitet, / als er dein ruhmreiches Werk, heiliger Petrus, besang.« Langen war eine Leitfigur des norddeutschen Humanismus. Während einer Romreise 1466 dürfte ihn das italienische Renaissanceschrifttum und die wiederentdeckte Literatur der Antike beeindruckt haben. Langen trug maßgeblich zur humanistischen Reform der Münsterschen Domschule (1500) bei. Mit seinen »Carmina«, die 1486 in Münster erschienen, begann die Reihe der in Deutschland gedruckten humanistischen Lyrikbände. Wenngleich seine Verse an Flüssigkeit von späteren Humanisten übertroffen werden, wirkte Rudolf von Langen dennoch mit seinen formal vollendeten Gedichten als Erneuerer der lateinischen Dichtung in Deutschland. Der Verfasser gab seinem Büchlein die folgende Anrede mit: auf den Weg: »Geh' mein Büchlein nun, nicht ohne Zittern / vor dem Spott der bösen Menge. / Wenn jedoch des Herzogs und Dechanten Hof / huldvoll freundlich Zutritt dir gewährt, / freu' dich dann: Nicht wird man dich in Fetzen reißen, / daß nur dienest du als Pfeffer- oder Safrantüte; / denn die Musen liebt, die quellgewohnten, jener Mann. / Niemand wird dich besser davor schützen, / zu geraten in der Salzfischhändler Hand.« Der Name Rudolf von Langens steht hier für viele bedeutende humanistische Dichter aus Westfalen. Johannes Kerckmeister verteidigte in der zweitältesten deutschen Schulkomödie »Comoedia Codrus« (Münster 1485) die neuen humanistischen Studien und verspottete die mittelalterliche Bildung. Johannes Murmellius (1480-1517), Lehrer für Latein am Gymnasium Paulinum in Münster, schrieb neben mehreren Unterrichtswerken auch Gedichte sowie eine Anleitung über die Dichtkunst »Ad pietatis humanitatisque studia« (Münster 1509). Hermann Busche (um 1468-1534) aus Sassenberg führte das Leben eines Wandergelehrten und war Autor zahlreicher humanistischer Schriften. 1533 verteidigte er in Münster die lutherische Lehre erfolglos gegen die Täufer. Eine von ihm verfasste neulateinische Verslehre trug den Titel: Hermannus Buschius: Tabulae in artis componendorum versuum rudimenta. (Deventer, um 1515).

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