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1400-1700:

1649

zurück Friedrich von Spee: »Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein«


Friedrich von Spee: »Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein«

»TrutzNachtigal wird das Büchlein genand weil es trutz allen Nachtigalen so schön, und lieblich singet, und zwar auff recht Poetisch. Also da es sich auch wol bey sehr guten Lateinischen, und andern poeten dürffe hören lassen. Dan da auch in der Teutschen Spraach man gut poetisch dichten, und reden könne; und es nicht bi hero an der Spraach, sondern an poeten, so es einmahl auch im Teutschen wagen dürfften, gemanglet habe; wird der Leser gleich aus disem Büchlein erfahren.« – Die »Trutznachtigall« steht am Beginn der neueren deutschen Metrik. Ihre Naturlyrik gehört zum Besten der Barockzeit. Verfasst wurde sie von dem Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld (*1591 Kaiserswerth bei Düsseldorf, † 1635 Trier). Seine ersten Kirchenlieder (u.a. »O Heiland, reiß die Himmel auf«) erschienen 1621/22. Von 1623 bis 1626 wirkte Spee als Philosophieprofessor an der Universität Paderborn und dort seit 1629 als Professor für Moraltheologie. 1631 wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen. Im selben Jahr erschien seine »Cautio Criminalis. Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse«, die ihm viele Anfeindungen einbrachte. In dieser Schrift entlarvt er in 50 Fragen und Antworten die unlauteren Praktiken der Prozessführung. Das Buch trug wesentlich zur Abfassung der Hexenprozesse bei, die in Westfalen stark verbreitet waren. Die Entstehung des »Trutznachtigall« reicht bis in diese Paderborner Zeit zurück. In diesem Liederbuch stellt Spee seine in Deutsch geschriebenen Texte selbstbewusst neben die lateinische Dichtung der Zeit und die des eigenen Ordens (Jesuitendramen). Spees Lieder sind noch heute in Kirchen-Gesangbüchern weit verbreitet.Mit der »Trutznachtigall« verfolgte Spee auch seelsorgerische Ziele. Er wusste, wie nützlich und fruchtbar Gesang und Poesie für Katechese und Glaubensunterweisung sein konnten, wenn die Menschen auch tatsächlich verstanden, was sie sangen. Die weite Verbreitung und Wirkung des Werks zeigt sich darin, dass es Übersetzungen einzelner Teile ins Italienische, Tschechische und Lateinische gab. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts erschienen 6 Auflagen. Starke Nachwirkungen zeigte Spees Lyrik in der Romantik: Friedrich von Schlegel und Clemens Brentano brachten Neuausgaben heraus und fünf Lieder fanden Eingang in »Des Knaben Wunderhorn«.  


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